Stenografen-Verein Goslar E. V.

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Aus den Vereinsmitteilungen

 September/Oktober 2020

            Gazette       Neues Semester     Bundespokalschreiben    Vereinsehrensabend  
    Leistungsnachweis zum Semesterabschluss    Corona-Denglisch     Gesundheit trotz/gegen Stress

Wie wir in unseren letzten Vereinsnachrichten schon ausführten, beschert uns unser „Bauchgefühl“ in diesem Jahr eigentlich nur „Pause“. Nach monatelanger Corona-Pandemie mit anschließenden Sommerferien wurden wir Deutsche immer mehr als „Weltmeister“ dargestellt und beneidet; gerade in den letzten Tagen aber vermitteln uns deutlich steigende Neuinfektionen doch einen anderen Eindruck: Rückschlag, Ergebnis von Nachlässigkeit, doch zweite Welle?

Zunächst allerdings bleiben wir bei unserer Planung für das 2. Semester dieses „Seuchenjahres“ mit dem vorgesehenen Beginn am 31. August. Das Licht am Ende des Tunnels hat sich aber deutlich abgeschwächt, und wir müssen abwarten, was sich regional und örtlich an notwendigen Auflagen entwickelt.

Dennoch – wenn auch gezwungenermaßen eingeschränkt – können wir nachfolgend über Vereinsaktivitäten berichten.



Abschweifen vom „Käseblatt“

Die Bezeichnung einer Zeitung als Gazette in Deutschland soll im Gegensatz zum Ausland meist ironisch oder herablassend sein. Forschen wir tief in der Zeitungsgeschichte, dann stammt der Begriff aus der Seerepublik Venedig, wo es seit 1539 eine Silbermünze gab, die im lokalen Dialekt gazeta genannt wurde. Exakt für deren Wert konnte ein Nachrichtenblatt mit wenigen Seiten gekauft werden, von dem sich in der Folge das italienische „gazetta“ bzw. das französische „gazette“ für Zeitungstitel mit durchaus gutem Klang ableitete. Selbst in Südafrika oder Thailand werden Amtsblätter heute noch als Gazetten bezeichnet.

Wenn sich nun hierzulande ein negativer Zungenschlag entwickelt hat, dann nicht nur weil sich seit langem die Vielfalt und der Umfang deutscher Printerzeugnisse über normales Lesevermögen hinaus erweitert, sondern weil in Verbindung damit die Berichte vom Hundertsten ins Tausendste gehen. Und wenn man häufig vom Thema abschweift, verliert man gern auch den Gesprächsfaden. Ihren Ursprung hat diese Redewendung wiederum in den Rechenbänken des Mittelalters. Hier gab es Münzlinien verschiedener Werte, die gegebenenfalls durch Zählpfennige ohne eigenen Wert ergänzt wurden. Dabei konnte man schon mal eine Zwischenzahl in der Linie vergessen haben, wodurch es dann zum unangenehmen Wertesprung kam.

Zweifelsohne lassen sich diese Anmerkungen auf unsere Vereins­publikation übertragen, zumindest im letzteren Punkt. Vehement wehren würden wir uns gegen eine herablassende Bezeichnung unserer Vereinsnachrichten. Ganz abgesehen davon, dass wir sie für unsere interne Kommunikation als wesentliches Element betrachten und daher beibehalten wollen, solange es irgend geht, würde manche Information in und für die Vereinsarbeit nicht überall ankommen; die Kontakte für den Mitgliederdialog würden in Verbindung mit der gesellschaftlichen Entwicklung deutlich dünner werden. Und wer will dies? Nur lesen muss man sie selbst, um Nutzen für sich und die anderen Mitglieder oder Interessenten zu ziehen. Da könnten wir schon auch mehr erwarten. Umso mehr freut es uns, wenn immer wieder Reaktion festzustellen ist.

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Auf die (alle) Plätze

 Übersicht, Voraussicht, Rücksicht, jedoch keine Nachsicht, - diese inspirieren unsere Absicht,

 am 31. August 2020, 18:00 Uhr

unser Herbstsemester zu beginnen, zunächst mit den Fortbildungskursen in Kurzschrift sowie im Tastschreiben/Text­verarbeitung (1. September). Wahrscheinlich werden wir die zuletzt „genossenen“ Verhaltensregeln immer noch berücksichtigen müssen. Die Hauptsache für die anschließenden 13 Wochen muss sein, schreibtechnisches Können auf der Grundlage von Einsatzbereitschaft und Ehrgeiz zu reaktivieren, vielleicht sogar auszubauen im Rahmen der gewohnten Teamqualität.

Und da dies einigermaßen zügig vonstatten gehen muss, soll von Beginn an mit allen Kräften auf den nächsten Termin hingearbeitet werden:

Am 14. bzw. 16. September 2020

– zu den bekannten Zeiten – brauchen wir unbedingt die nötigen Teilnehmer für unsere

 Grundkurse für Anfänger in Kurzschrift und Tastschreiben,

wobei uns traditionell ganz besonders am Schülerkurs „Flinke Tasten“ (mittwochs 16:45 Uhr) gelegen ist. Nach vielen erfolgreichen Kursen in den vergangenen Jahren wollen wir gerade unserem 10- bis 14-jährigen Nachwuchs die Grundlagen für die lebenslange Rationalisierung der Schreibarbeit vermitteln.

Alle Mitglieder fordern wir auf, das Augenmerk so stark wie möglich auf diese Komponente unserer Bildungsarbeit zu richten und emsig zu werben.

>> Unterrichtsangebot Herbstsemester 2020

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Ein Jahr Enthaltsamkeit

Natürlich wollen wir diese Aussage keinesfalls verallgemeinern, sondern lediglich auf das schreibtechnische Können unserer Wettschreiber beziehen, für die die ausgefallenen Bewährungsproben vielleicht sogar eine erholsame, angenehme „Flaute“ waren.

Allerdings hat der Deutsche Stenografenbund vor einiger Zeit – unter Vorbehalt – entschieden, den letzten alljährlichen Leistungsvergleich durchzuführen.

Am 7. November 2020 in Apolda (Thüringen)
zum 32. Bundespokalschreiben

treffen sich die Mannschaften der deutschen Stenografenverbände, um die diesjährigen Bundespokale in Kurzschrift, Texterfassung und Textbearbeitung zu erschreiben. Mit dabei ist auch der Norddeutsche Stenografenverband mit 17 Teilnehmern, davon immerhin neun aus unserem Verein. 13 Schnellschreiber/innen werden ihr Bestes geben, um in diesem nationalen Kräftemessen wiederum erfolgreich zu bleiben.

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Kontakt halten

Nach 129 Jahren Vereinsarbeit, wenn auch mit politisch angeordneter Unterbrechung, können wir festhalten, dass es uns trotz unterschiedlicher Voraussetzungen stets gelungen ist, den Zusammenhalt unserer Stenofamilie zu sichern. Auch wenn wir unserer Satzung entsprechend den fachlichen und den geselligen Teil unterschiedlich, dennoch nicht konträr bewältigen (müssen), hat doch unsere Gemeinschaft allen Einflüssen gegenüber bestanden.

Wir haben einiges bereits angesprochen; darüber hinaus ist allerdings persönlicher Kontakt elementar. Deshalb soll uns Corona nicht daran hindern, auch in diesem Jahr

am 21. November, 19:00 Uhr, im H+ Hotel

unseren Vereinsehrenabend

durchzuführen, zu dem wir alle langjährigen Mitglieder – demnächst auch schriftlich und detailliert – herzlich einladen.

Die regelmäßigen Teilnehmer an dieser Veranstaltung – zum Teil schon lange nicht mehr aktiv – wissen und begrüßen es, dass nicht unsere fachlichen Fragen, sondern die zwischenmenschliche Verbindung zwischen Alt und Jung, Passiv und Aktiv im Vordergrund steht. Außerdem ist es für die Vereinsführung die alljährliche Gelegenheit für Auszeichnungen und Ehrungen, auch wenn in diesem Jahr bekanntermaßen Leistungen eher kaum anstehen.

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Ein Jahr „Sparflamme“

Da in diesem „Seuchenjahr“ 2020 von Stadt- bis Deutschen Meisterschaften sämtliche Wettschreiben Corona „geopfert“ werden mussten, denken wir schon eine ganze Weile darüber nach, in welcher Form wir lokal unseren Unterrichts- und Trainingsteilnehmern eine Chance zur Selbstbestätigung bzw. Motivation für künftige Leistungsnachweise bieten können.

So wollen wir zumindest am Ende des jetzt beginnenden Herbstsemesters im Interesse aller Beteiligten im Rahmen des Unterrichts der Fortbildungskurse unter Wettschreibbedingungen den Leistungsstand überprüfen in Kurzschrift, Texterfassung und Textbearbeitung, um für die nachfolgende Zeit Ansätze und Maßnahmen zu ermitteln, … alles in der Hoffnung, dass 2021 wieder „normal“ abläuft.

Vorgesehen sind die KW 49/50; selbstverständlich werden wir Urkunden erstellen und den einen oder anderen Buchpreis ausloben. Die notwendigen Details werden im Unterricht be- und abgesprochen.

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Das Corona-Denglisch-Virus

Wenn ein Engländer ins Home Office geht, dann hat er vermutlich einen Termin im Innenministerium. Wenn ein Deutscher vom Home office spricht, dann arbeitet er im Heimbüro. Wir Deutsche haben es wieder einmal geschafft, einen Ausdruck zu erfinden, der in der englischen Sprache in dieser Bedeutung nur selten vorkommt. Wenn ein Engländer nämlich von zu Hause aus arbeitet, dann betreibt er „working from home“.

Dieses Denglisch ist kein Einzelfall. Corona ruft auch in der deutschen Sprache bedenkliche Symptome hervor und lebt mit dem Denglisch-Virus einträchtig zusammen. Seit eh und je waren bei Verdeutschungen Anglizismen nicht zu vermeiden und mussten in der Folge verdeutlicht werden, so beispielsweise bei der „Community-Maske“, aus der mittlerweile die „Alltagsmaske“ wurde. Wenn aber der Superspreader im Corona-Hotspot trotz Tracking-App ein Cluster erzeugt, dann hätte er auch als Virenschleuder im Corona-Brennpunkt trotz Nachverfolgungsprogramm eine Menge Leute anstecken können. Die Beweggründe, warum Politiker denglische Bezeichnungen in Umlauf bringen, sind nach wie vor mit Dummheit, Faulheit, Angeberei und Verschleierung sowie manchmal auch von allem etwas die alten. Sie wissen es nicht besser und sagen „Corona-Bonds“ statt Corona-Anleihen. Sie sind zu bequem und sprechen von „Homeschooling“ statt von Fernunterricht. Sie wollen Eindruck schinden und sagen „Social Distancing“ statt Abstandhalten. Oder sie wollen gar das Volk hinters Licht führen, weil ein deutsches Wort ganz anders wirkt. Wenn statt von „Shutdown“ oder „Lockdown“ vom „großen Stillstand“ die Rede wäre, würden in unserem Sprachzentrum ganz andere Bilder und Begriffe lebendig.

Solange die Krise andauert, gibt es nur einen wirksamen Impfstoff, um sich gegen Denglisch zu immunisieren: Sprachbewusstsein.

(auszugsweise aus „Deutsche Sprachwelt“)

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Gesundheit trotz/gegen Stress

Die moderne Arbeitswelt verlangt uns seit Langem und coronabedingt in dieser Zeit sehr viel ab mit den steigenden körperlichen und psychischen Belastungen. Eine aktuelle Studie „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ mit der Befragung von 1650 Arbeit­nehmern zeigt in der Skala in dieser Reihenfolge auf: ständiger Termindruck, Stress durch zwischenmenschliche Konflikte, Überstunden, schlechtes Arbeitsklima, zu kurze Pausen, ständige Erreichbarkeit, Angst um Arbeitsplatz sowie Druck durch Digitalisierung oder schnelle Kommunikation. Erst deutlich später folgen zum Beispiel Kreislauf- oder orthopädische Probleme.

Wer also spricht noch über die Ergonomie am Arbeitsplatz. Wer kennt die einst wichtigen und bewährten Vorgaben am Bildschirm. Sehachse, Höhe für Tastatur und Maus, Winkel für Arme und Oberschenkel, Abstand zum Monitor, Stellung der Füße? Auch fortlaufende Hinweise auf Warnzeichen von Körper und Geist helfen wohl wenig, wenn die alltägliche Praxis keinen Ausgleich zulässt. Und die unzähligen gedruckten Empfehlungen zu Oberkörper, Schulter, Wirbelsäule oder gar zu Bewegungsübungen vermitteln nur Aha-Effekte, fallen dann aber oft dem psychischen Druck zum Opfer. Und doch weiß fast jeder, dass der Mittelweg oder aber der Ausgleich zum besseren Befinden verhelfen kann

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Zuletzt aktualisiert: 01.09.2020

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